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Solar7 Min. Lesezeit

Solarthermie oder Photovoltaik: Was gehört aufs Dach, wenn es ums Heizen geht?

Beide nutzen die Sonne, beide sparen Geld – aber auf ganz unterschiedliche Weise. Wann Solarthermie die bessere Wahl ist, wann Photovoltaik, und warum die Antwort oft „beides, aber richtig verteilt“ lautet.

MHMichael Hintzen · Meisterbetrieb Sanitär & Heizung, Viersen

„Solar“ sagen viele und meinen zwei völlig verschiedene Dinge. Solarthermie macht aus Sonnenlicht Wärme, Photovoltaik macht daraus Strom. Beides ist sinnvoll, beides wird gefördert, und beides konkurriert um denselben Platz auf dem Dach. Wie Sie entscheiden – und warum die Frage im Systemverbund oft gar kein Entweder-oder ist.

Der grundlegende Unterschied

Solarthermie besteht aus Kollektoren, durch die eine Flüssigkeit fließt. Die Sonne erwärmt sie, eine Pumpe bringt die Wärme in einen Speicher im Keller. Von dort aus wird Duschwasser erwärmt und – bei entsprechend großer Anlage – die Heizung unterstützt. Der Wirkungsgrad ist hoch: Gute Flachkollektoren wandeln je nach Betriebspunkt die Hälfte oder mehr der eingestrahlten Energie in nutzbare Wärme um.

Photovoltaik besteht aus Modulen, die Licht direkt in Strom umwandeln, mit Wirkungsgraden von rund 20 bis 23 Prozent. Der Strom kann im Haus genutzt, gespeichert oder ins Netz eingespeist werden. Zum Heizen wird er erst über eine Wärmepumpe – die aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme macht.

SolarthermiePhotovoltaik
LiefertWärmeStrom
Wirkungsgrad pro m²hoch (Wärme)rund 20 – 23 % (Strom)
Typische Fläche Einfamilienhaus5 – 15 m²30 – 60 m²
SpeicherWasserspeicher (Puffer)Batteriespeicher, optional
Ertrag im Wintergeringgering, aber nutzbar für WP
FörderungKfW-Heizungsförderung (458)Einspeisevergütung, 0 % Mehrwertsteuer
Passt zuGas-, Pellet-, Ölkessel, WärmepumpeWärmepumpe, Haushaltsstrom, E-Auto

Wann Solarthermie die bessere Wahl ist

Solarthermie spielt ihre Stärke aus, wenn Wärme direkt gebraucht wird und das Dach begrenzt ist:

  • Sie behalten einen Brennstoffkessel. Gas, Öl oder Pellets: Solarthermie entlastet den Kessel im Sommer komplett und in der Übergangszeit spürbar. Der Kessel bleibt von Mai bis September aus – das spart Brennstoff und Verschleiß.
  • Das Dach ist klein oder ungünstig. Auf 8 Quadratmetern liefert ein Vakuumröhrenkollektor wie der SolvisLuna mehr nutzbare Energie als PV-Module auf derselben Fläche – auch bei Ost-West-Ausrichtung.
  • Hoher Warmwasserbedarf. Familien mit vier oder fünf Personen, die viel duschen, profitieren stark: Eine gut ausgelegte Anlage deckt in unserer Region über das Jahr mehr als die Hälfte des Warmwasserbedarfs.
  • Sie wollen den Ertrag im Haus behalten. Solarwärme wird immer selbst genutzt – es gibt keine Einspeisung mit sinkender Vergütung.

Wann Photovoltaik die bessere Wahl ist

Photovoltaik gewinnt, wenn Strom im Haus gebraucht wird und Fläche vorhanden ist:

  • Sie heizen mit Wärmepumpe. PV-Strom treibt die Wärmepumpe an – in der Übergangszeit direkt, im Sommer für Warmwasser. Über das Jahr deckt eine 10-kWp-Anlage einen guten Teil des Wärmepumpenstroms.
  • Sie haben große, freie Dachflächen. Ab etwa 30 Quadratmetern lohnt sich PV; jede weitere Fläche bringt Ertrag, der auch für Haushaltsstrom und E-Auto genutzt wird.
  • Flexibilität ist Ihnen wichtig. Strom lässt sich vielseitiger einsetzen als Wärme.

Beides – aber richtig verteilt

In vielen unserer Projekte landet am Ende beides auf dem Dach. Entscheidend ist die Verteilung: Solarthermie braucht nur wenige Quadratmeter an der besten Stelle – nach Süden, unverschattet – und liefert dort die höchste Energiedichte. Der Rest des Daches gehört der Photovoltaik.

Der Schichtenspeicher SolvisMax ist dafür gebaut: Er nimmt die Solarwärme oben für Warmwasser und weiter unten für die Heizung auf, und eine Wärmepumpe oder ein Kessel ergänzt, was fehlt. Der Energiemanager entscheidet, welche Quelle gerade die günstigste ist – auch mit PV-Strom.

Drei typische Konstellationen aus unserem Alltag

Reihenhaus in Dülken, Gasheizung von 2015, kleines Süddach. Empfehlung: 6 Quadratmeter Flachkollektor plus Frischwasserspeicher. Der Kessel bleibt im Sommer aus, die Anlage ist in einem Tag montiert, die Förderung deckt rund ein Drittel.

Einfamilienhaus in Süchteln, Umstieg auf Wärmepumpe, 50 Quadratmeter Dach. Empfehlung: 10 kWp Photovoltaik plus Wärmepumpe. Solarthermie nur, wenn der Warmwasserbedarf sehr hoch ist – sonst gehört die Fläche der PV.

Zweifamilienhaus in Viersen-Rahser, Pelletkessel, großes Dach. Empfehlung: 12 Quadratmeter Solarthermie für Warmwasser und Heizungsunterstützung, dazu Photovoltaik auf dem Rest. Der Pelletkessel läuft von Mai bis September nicht.

Unser Fazit

Solarthermie ist die Wärmemaschine für kleine, gute Dachflächen und Häuser mit Brennstoffkessel. Photovoltaik ist die Stromquelle für Wärmepumpe und Haushalt auf großen Dächern. Wer beides kombiniert, sollte die Fläche nach Energiedichte verteilen – und einen Speicher haben, der beide Quellen zusammenführt.

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